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Verlagslesung sehr erfolgreich: Geschichten im Fluss

eit der 11. Ausgabe der SuedLese bot der kleine Heimfelder Verlag awsLiteratur in den Räumlichkeiten der Galerie „Alles wird schön“ eine sonntägliche Auswahl aus dem aktuellen Verlagsprogramm. 20 Gäste begaben sich am Nachmittag des 15. März 2026 in die unterschiedlichen Erzählwelten von Diether Siegel, Ulrike Burbach, Wilfried Abels und Jan Christoph Nerger.

„Was haben HaPe Kerkeling und ich gemeinsam?“, eröffnete Diether Siegel seinen Auftritt. Gespannte Stille im Raum. Die Auflösung: mehr als wir erahnen konnten. Beide waren vor über 20 Jahren als Einzelgänger zu Fuß „dann mal weg“ und schrieben einen Bestseller beziehungsweise einen „Testseller“, wie Diether Siegel sein neuestes Werk „Way of Life“ mit Augenzwinkern einordnet. Allgemeines Schmunzeln und Lachen um mich herum.

In Begleitung seiner Hündin Luna folgen wir dem Autor auf seiner 56-tägigen Wanderung von Hamburg in seine Geburtsstadt Gaissau am Bodensee. Glücksmomente und Enttäuschungen mischen sich mit philosophisch-spirituellen Gedanken und der Hoffnung, dass mehr Menschen nach Entschleunigung suchen und selbst auf Lebenswanderung gehen. Wir entlassen ihn mit Applaus.

Jetzt ist die Bühne frei für Ulrike Burbach – eine begeisterte Tänzerin, Malerin und Autorin. Sie richtet ihre Scheinwerfer auf zwei ungleiche Geschwisterpaare und lässt in „Fallen“ die Puppen, oder besser, ihre Protagonistin Mara leidenschaftlich tanzen in einem stark unterkühlten Veranstaltungsschuppen. Dann wechselt die Szene nach Kenia. Wir begegnen der zweiten Hauptfigur Johanna, Maras Schwester, die seit längerem in Afrika eine Farm betreibt.

In den Auszügen aus „Der Abschied“ bleiben wir der Protagonistin Jasna dicht auf den Fersen bei ihrer verzweifelten Suche nach ihrem Bruder Franco, der sich nach langer Zeit telefonisch bei seiner Schwester gemeldet hat. Bei der Begegnung hegt Jasna starke Zweifel an seiner Identität. Nach dem Applaus drückt der Veranstalter die Pausetaste und wir erfrischen uns in der Küche mit ein paar Soft-Getränken.

Gestärkt nehmen wir wieder Platz für die zweite Runde und geraten mit Wilfried Abels in die fantastische Welt von „Cazielle – Der Wald erwacht“. Aritella kommt auf den Plan, eine aufmüpfige junge Zauberin, die sich unbelehrbar mit ihrem Vater und Ratsmitglied von Cazielle Konrad Illenor auseinandersetzt.

Der Magier kämpft mit der Eigenwilligkeit seiner Tochter. Sie hält unbeirrt dagegen und will unbedingt in den umliegenden Wald, obwohl alle um seine tödlichen Gefahren wissen. Wir quittieren den Ausflug in die Zauberwelt mit Beifall.

Zum Abschluss der Veranstaltung heißt es: warm anziehen. Denn Jan Christoph Nerger nimmt uns in „Einzug des Leviathans“ mit ins kühle Nass der Wale. Gemeinsam mit der Rostocker Meeresbiologin und Wissenschaftsjournalistin Susan Winter begeben wir uns in die Forschungsatmosphäre an Bord des U-Boots Sepia.

In den kälteren Regionen des Atlantiks gehen Haupt- und Nebenfiguren nebst Publikum auf Tauchstation. Als alle wieder auftauchen, befinden wir uns auf Helgoland und schauen dem 14-jährigen „local hero“ über die Schulter – auf die aufgewühlte Nordsee.

Mit unserem Applaus setzen wir den Schlussstrich unter die bunte Lesung und den Anfangspunkt für einen lockeren Ausklang.

Text: Christian Baudy
Fotos: Gisela Baudy

> Bilder zur Lesung (pdf)
> Ankündigung

Halloweenlesung in Leichers Buchhandlung

Raus aus unseren vier Wänden! Das hatte sich das ehrenamtliche Verlags-Team von awsLiteratur fest vorgenommen. Und hat es nicht bereut. Am Dienstag, den 5.11.2019, wurden wir herzlich zu einer gemeinsam durchgeführten  Halloweenlesung von Leichers Buchhandlung in Heimfeld  aufgenommen. Und auch die Neugier der (Bezirks-) Harburger auf diese ungewöhnliche Leseveranstaltung im kleinen aber feinen Büchergeschäft in der Meyerstraße 1 haben wir offensichtlich geweckt: Mit rund 30 Gästen wurde jeder Stuhl besetzt.

Halloweenlesung in Leichers Buchhandlung – Foto: Gisela Baudy

Regine Schneider beobachtete aufmerksam, wie wir ihre Buchhandlung Halloween-tauglich schmückten und stand uns dabei  helfend zur Seite, während ihr Gatte für Sitzplätze sorgte. Wolf Puschmann, der das Bühnenbild aus Ansichten von Hexen, aus Gräbern emporgestreckten Skeletthänden und einem Cartoon-Dracula mitgebracht hatte, führte – zwischendurch  mit leidenschaftlichem Wolfsgeheul – durch den Leseabend und wusste die Autoren und Autorinnen und deren Grusel-Geschichten hervorragend zu präsentieren.

Zu Beginn der Lesung sprachen die Vertreterinnen und Vertreter der schreibenden Zunft hinter den Kulissen ein Kindergedicht zu Halloween und wiegten das Publikum in eine trügerische Sicherheit. Denn die vier Geschichten und zwei Romanausschnitte hatten es nämlich  in sich und sind keineswegs für Kinder geeignet! Vampire, Wehrwölfe, Göttinnen, kopflose Gesellen, starrende Eulen oder auch nur ein in der Folterkammer dahinvegetierender Schriftsteller, der sich seinen Verlagsvertrag besser etwas genauer angeschaut hätte, sowie eine S-Bahnfahrt mit mysteriösen (Zeit-)Fahrgästen lieferten ein sehr variantenreiches Herzschlag-Angebot.

Halloween Dekoration – Foto: Gisela Baudy

Aufgrund der räumlichen Gegebenheiten hatten nicht alle Gäste einen freien Blick. Doch zwischen heimeligen Bücherregalen blutdruckerhöhenden Horrorgeschichten zuzuhören, hatte seinen eigenen Charm. Das aws-Team bedankt sich an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich für die angenehme Zusammenarbeit mit Leichers Buchhandlung, die Mitwirkung der Gast-Autorinnen und -Autoren und natürlich auch bei unseren Haus-Autoren. Ob der Abend rundum gelungen war? Das Publikum war sehr angetan. Ebenso Regine Schneider. „Ich fand die Lesung ganz schön, mit diesen verschiedenen Texten und Vorleser-Stimmen. Mal was ganz anderes“, kommentierte unsere Gastgeberin abschließend den Abend.  Eine weitere Lesung bei Leichers im kommenden Jahr halten jedenfalls alle Seiten für wahrscheinlich!

Rückblick in die Vergangenheit

Zu den Autoren, die sich an der Gemeinschaftslesung im „Alles-wird-schön“ am 21. März beteiligten und damit die SuedLese 2017 eröffneten, gehörte auch Hildegard Schaefer. Ihre Geschichte handelte von einer Frau, die sich spontan “Arme Ritter” wünscht und das zu einer außergewöhnlichen Begegnung führt.

Wie kam es zu der Wahl deines Beitrages zur Suedlese?

Vor einiger Zeit hatte ich PC-Probleme und verlor eine Menge gespeicherter Texte. Da ich das als Wink von oben verstand – und sehr schnell tippen kann – begann ich, meine (zum Glück) ausgedruckten Kurzgeschichten zu überarbeiten. Als ich „Kleine Welt“ zur Diskussion stellte, bekam ich Feedback, das wäre doch ein Text zum Thema.

Dein Schreibstil ist lebendig, u. a. durch glaubwürdige Dialoge. Hörst du Stimmen oder denkst du dir solche Szenen aus?

Ich kann mir Szenen zu einem Thema vorstellen: wie Leute miteinander reden, wo das Konfliktpotential liegt, was alles passieren kann. Das lässt bei mir einen Flow im Kopf entstehen, denn es gibt unendliche Möglichkeiten. Zur Ruhe komme ich dann, wenn ich auswähle und lostippe. Dann gibt es kein Zurück mehr. Dann ist die Kuh vom Eis, der Drops gelutscht usw.

Ist bei dir alles frei erfunden oder greifst du auf eigene Erlebnisse zurück?

Wie viele eigene Erlebnisse ich in meine Texte einfließen lasse, ist unterschiedlich. Maximal 5 % sind es. Meistens schüttele ich etwas aus dem Ärmel – das bringt mehr Spaß. Es sei denn, zu dem gestellten Thema fällt mir ein eigenes Erlebnis ein. Dann halte ich mich ziemlich genau an der Wahrheit.

Schreibst du ausschließlich Kurzgeschichten?

Bislang ja. In Wilfrieds Blog habe ich einen Versuch gestartet, aus mehreren Kurzgeschichten einen Roman zu machen. Wenn das Thema schräge Mystik berührt, dann fallen mir viele Episoden dazu ein und ich könnte einen Roman schreiben. Ich werde das auch eines Tages machen…

Gibt es eine Geschichte, auf die du besonders stolz bist?

Da fällt mir „Leonardos Alien“ ein, die hing bald ein Jahr an der Tür zum AWS Treff. Anscheinend als abschreckendes Beispiel, denn seitdem wurde nichts mehr hingehängt. Ich habe die Geschichte geträumt und als Ausnahme von der Regel das meiste übernommen. Zwischen den Zeilen habe ich die Schöpfungsgeschichte verändert nach dem Motto: so könnte es auch gewesen sein, die Sache mit dem Apfel im Paradies…

Welches Buch hat dich als Kind am meisten beeindruckt?

Mit fünf Jahren hatte ich einen längeren Krankenhausaufenthalt. Ich kam nach Hause und konnte lesen. Mein älterer Bruder kaufte sich Comics, Bücher hatten wir keine. Das änderte sich, als ich mich als Leseratte entpuppte. Ich verschlang Geschichten über Tiere wie „Timba“ und „Flucht durchs wilde Kurdistan“ und Groschenhefte jeder Art. Bei den Science Fiction Romanen bin ich bis heute hängengeblieben.

Wann hast du angefangen, selber zu schreiben? Hast du deine ersten Versuche aufbewahrt?

In der Pubertät. Ich war ein Tagträumer und dachte mir die Welt schön. Das nicht so Schöne schrieb ich mir von der Seele. Anschließend zeriss ich es, damit es meinen Eltern nicht in die Hände fiel.

Welche Art Lektüre schätzt du heutzutage am meisten? Welche Elemente sollte sie enthalten?

Science Fiction. Gern etwas Mystik. Sie sollte mich mitnehmen in eine Welt jenseits der Realität.

Gibt es Stoff, der dich reizen würde, aber an den du dich (noch) nicht herantraust?

„Die L-Gruppierung“ weiterzuschreiben: Jede Gruppe paranormaler Jugendlicher bekommt einen Buchstaben in einer „geschützten“ schulischen Einrichtung, erst die mit dem „L“ decken das Verschwinden der anderen Gruppen auf und den Plan, der dahintersteckt. Jemand sagte mir, bei den X-Men wäre es ähnlich, das hat mich gebremst wegen des Plagiatverdachts.

Das stelle ich mir außerordentlich ärgerlich vor: Wenn man sich etwas selber ausgedacht hat und dann feststellen muss, dass parallel noch jemand auf die Idee kam. Ich hoffe sehr, dass dir niemand mehr in die Quere kommt, damit du aus dem Vollen deiner Fantasie schöpfen kannst! Wir freuen uns auf deine nächsten spannenden Geschichten.