awsLiteratur

der Verlag von Alles wird schön e.V.

Jahr: 2017 (Seite 1 von 7)

Obwohl sie nichts wussten IX

Katharina und Hajo stutzten. Der Rektalier zeigte mit einer fordernden Geste auf  den Einstieg.

„Ja, was nun? Ich steig da nicht einfach ein.“ Katharina war das mittlerweile zu bunt. Sie wandte sich Hajo zu.

Seitdem Jan sich in dieses seltsam faltige Wesen verwandelt hatte, war sie um Fassung bemüht. Ihr Vertrauen war geschwunden. Auch ihr Zeitgefühl schien ihr Streiche zu spielen.  War es eine lange dunkle Nacht, oder waren es schon mehrere Tage und Nächte, die ihr wie eine Nacht vorkamen? Alles, was sicher schien, war nun fragwürdig. Es war kalt, nass, nebelig und ihr bester Gefährte hatte sich in eine häufig übelriechende Wolke verwandelt.  2017 war total durcheinander geraten. Wem konnte sie noch trauen? Stimmten die Nachrichten? Woran sich orientieren? Aus dem All werden unverständliche Tweets abgesetzt. Machthungrige Aliens und tolle Tollen scheinen sich durch den Orbit zu quaken. Die Signale, die gesendet werden, sind widersprüchlich und lassen keine eindeutigen Regeln erkennen. Despoten regieren, Gewalt allerorten. Ingo ist abgehängt auf dem Raumschiff. Auch ihre kleine Insel war nicht mehr geschützt. Wozu aber jetzt in diese Höhle einsteigen? Sollte das der Beginn von 2018 werden?

„Geht es da vielleicht nach Mittelerde, oder was wird uns dort erwarten?  Hajo, hör mal, bevor ich mich auf weitere Expeditionen einlasse, muss ich einmal in Ruhe nachdenken und sortieren. Ich möchte erst unseren Standort und dazu die Koordinaten bestimmen. Gib mir mal mein Smartphone aus dem Rucksack.  Mit meiner App  müsste das klappen.“

„Okay, ich habe sie. Ich speichere die Koordinaten ab.“ Sie tippte mit steifen Fingern auf die Handytastatur. „So ein Mist!  Meine mobilen Daten versagen, es war was mit 6 N und 52 E.  Kannst du dir das merken, damit wir hierher zurückfinden können?  Zudem brauche ich die timeline und eine Ziellinie. Mir scheint das Spiel sonst außer Kontrolle zu geraten. Ich brauche ein Zeichen des Vertrauens. Egal woher.“

Hajo  lehnte sich an einem Dalben, der den Eingang zur Wendeltreppe markierte und klickte mit dem Daumen das Feuerzeug an und aus.  „Katharina, ich fürchte die Zeit haben wir nicht. Die Prile laufen dicht.“

 

Frohe Weihnachten

Ich wünsche allen frohe und schöne Weihnachten. Ich wünsche allen ein paar Tage Ruhe und Erholung. Möge euch allen möglichst wenig Weihnachtsstress ereilen. Genießt die Tage. Der normale Alltag wird so oder so schnell genug wieder einkehren. Insofern legt die Füße hoch, schaltet einen Gang runter und gönnt euch ein frohes Lächeln.

Auch wir von awsLiteratur machen ein paar Tage frei. Deshalb gibt es auch morgen keinen weiteren Teil unser Fortsetzungsgeschichte. Doch verlasst euch darauf, im neuen Jahr wird es weiter gehen.

Viele Grüße und alles Gute!

 

Obwohl sie nichts wussten VIII

Noch immer tobte das Unwetter und der Regen prasselte ihnen ins Gesicht. Dem Rektalier schien dies allerdings weniger auszumachen, als Katharina und Hajo. Das Alien gab ein gutes Tempo vor und führte sie durch die stürmische Nacht.

„Nicht stehen bleiben. Wir müssen uns ranhalten!“, rief er ungeduldig, als Hajo irgendwann schnaufend stehenblieb und nach Luft japste.

„Wir müssen vor dem Einsetzten der Flut den Eingang zur geheimen Basis der Rektalier erreichen, sonst saufen wir hier draußen alle ab.“

„Jetzt hetz mal nich so! Meine alten Knochen können nicht schneller“, grummelte Hajo zurück. Doch er setzte sich grimmig in Bewegung. Das Wasser fing langsam, aber merklich wieder an zu steigen. Katharina reichte ihm einen Arm, sodass ihr alter Onkel sich bei ihr abstützen konnte. „Wo war sie da nur rein geraten?“, fragte sie sich zum hundersten Male heute. Hätte sie doch bloß nicht auf diese uralte CD geschaut. Dieses blöde Teil. Hätte sie es nur unbeachtet weggeschmissen. Aber wer konnte schon ahnen, dass dieses obskure Zeug auf dieser CD kein Plot eines verrückten Science-Fiction-Autors, sondern bittere Wahrheit war. Noch immer wusste sie nicht, wie und weshalb dieser Datenträger auf ihrem Schreibtisch gelandet war. Hätten sie diese Daten doch nie geöffnet und erst recht nicht das angebliche Spiel installiert!

Dann hätte sie zumindest vorerst ihr Leben zufrieden und ahnungslos weiterleben können. Doch jetzt war ihr zwar nerdiger, aber eigentlich ganz lieber Kollege Ingo  gefangen auf einem Raumschiff irgendwo im Orbit um die Erde, und sie lief blind einem seltsamen Alien durch das Wattenmeer hinterher. Frustriert schaute sie zu Hajo, dem man die Strapazen mehr als deutlich ansah.

Dann blieb der Rektalier stehen. Vor ihm lag ein unscheinbarer, wenn auch ungewöhnlicher Stein im Watt. Das Alien drehte seinen Hinternkopf zu diesem und ließ eine seiner kriegswaffengeeigneten Gasladungen entweichen. Der Stein wurde vollständig eingenebelt. Einen Moment später hörte man ein Summen und der Stein versenkte sich in das feuchte Watt. Ein Vibrieren setzte ein und mit einem lauten metallischen Quietschen erhob sich aus dem Boden eine kreisförmige Öffnung, in der eine Wendeltreppe in die Tiefe führte.

Obwohl sie nichts wussten VII

„Das Boot!“

Katharina und Hajo schauten zu Jan, der kurz nach seinem Ruf einen fahren ließ. Sie folgten ihm an den Steg. Die beiden ließen Katharina einsteigen und lösten die Schnüre.

Jan seufzte. „Hoffentlich können wir die Fahrrinne noch sehen.“ Und furzte erneut.

„Von wegen Fahrrinne“, Hajo schüttelte den Kopf: „Wir müssen durch die Prile.“

„Aber… dazu bräuchten wir unsere Geräte…“ Weiter kam Jan nicht, weil er furchtbar rülpsen musste.

„Auf keinen Fall“, rief Katharina. „Die steckt ihr alle schön in die unscannbaren Rucksäcke!“

„Worum ich euch herzlich bitte“, forderte Hajo. Dann trennte er den Außenborder vom Heck und ließ ihn gurgelnd versinken.

„Bist du wahnsinnig“, empörte sich Jan. „Wie sollen wir es denn so durch die Prile schaffrrrülpss?“

„Die Menschheit ist auch mal ohne Technik ausgekommen! So alte Knochen wie ich haben etwas, das man Wissen und Erfahrung nennt.“ Er holte zwei Ruder vor und klemmte sie in die Pinnen: „Ruderst du oder ich, min Jung?“

Katharina sah den alten Seebären an: „Glaubst du wirklich, das klappt?“

„Ist ja wohl unsere einzige Chance.“

„Okrüüülps“ Jan sah entschuldigend in die Runde. „Okay. Ich mach’s.“

„Ich kann das eigentlich gar nicht von euch verlangen“, überlegte Katharina.

„Doch, kanssurrrrrülps“ Und schon stellte Jan einen weiteren Koffer in die Landschaft, dass das Boot hüpfte.

„Sag mal, Kerl: Hast du schlecht gegessen oder was?“ Hajo erhielt keine Antwort.

Jan legte sich in die Riemen und brachte das Boot mit kraftvollen Schlägen voran. „Sag, wo ich lang muss.“

Als Jan es aus seinem Allerwertesten so krachen ließ, dass der Querbalken seiner Ruderbank splitternd zerbarst, wusste Katharina, was los war.

„Oh nein“, rief sie.

„Lass man! – Rülpsss! – Kein Problem.“ Jan, der nun eine Etage tiefer im Boot saß, war nicht länger in der Lage zu rudern. „Duckt euch“, rief er.

„Wie jetzt?“ Hajo legte den Kopf schief, aber da drückte Katharina ihren Patenonkel schon auf die Bootsplanken.

Jan erhob sich im wankenden Boot, bückte sich und reckte seinen Hintern vor. Ein wahrer Schuss knallte zwischen seinen Gesäßhälften nach hinten, zerriss ihm die Hose und jagte das Boot in einem höllischen Speed durch die Wellen. Eine blauweiße Gasflamme zischte aus seinem Hintern, begleitet von einem Sound, als würden Kanonenkugeln wie MG-Salven abgefeuert. Das alte Holzboot türmte bei mindestens 50 Knoten Fahrt (über 90 km/h) eine mächtige schäumende Bugwelle auf.

„Was hat das zu bedeuten?“ schrie Hajo gegen das Inferno an.

„Er verwandelt sich“, schrie Katharina zurück.

„A-aber in was denn?“

„In einen…“ weiter kam sie nicht. Das Boot lief auf eine Muschelbank, überschlug sich und begrub seine Passagiere kopfüber mit den Rändern auf die Muscheln knallend. Die Muschelschalen pieksten, doch Katharina schien nirgendwo zu bluten. Sie hatte keinen Zweifel, dass Jan am ehesten unversehrt geblieben war. Da richtete er sich schon wieder auf und hob das Boot an. Katharina und Hajo krochen hervor: Auch der alte Seebär erwies sich als unverwüstlich. Jan erhob sich nun ganz zu seiner neuen Größe und das Boot krachte hinter ihm mit dem Kiel auf die Muscheln, wo es sich splitternd halbierte. Die Metamorphose des jungen Mannes war ein fürchterlicher Anblick. Die letzten Fetzen seiner Textilien fielen von ihm ab, sein blanker Hintern wanderte nach oben, die Arme wurden zu Beinen, zwischen denen der Kopf wie ein ungelegtes Ei hängen blieb. Das Gesicht verschwamm, die Augen verflüchtigten sich, doch der Mund blieb, während unten nun oben war und ein übereinander liegendes Augenpaar auf jeder Gesäßhälfte zwinkerte. Die Beine hatten sich in dünne Arme verwandelt. Ein braunglänzendes, schrumpliges Etwas stand da vor ihnen.

„Was ist das denn“, schrie Hajo. Katharina fühlte Mitleid mit ihrem Patenonkel, den so leicht nichts aus der Fassung bringen konnte. Aber das hier musste auch für ihn zu viel sein.“Was ist hier los, verdammich?“ Seine Blicke wechselten zwischen ihr und dem, was einmal Jan war, hin und her.

„Ich bin ein Rektalier“, kam es unten aus dem Mund des Geschöpfes, das einmal Jan war: „Vom Planeten Rektalus aus dem Sternbild des Häufchens.“

„Sag nur, du willst ein intelligentes Alien sein.“

„Fast so intelligent wie ihr Menschen.“

Fast? Wie kommt ihr dann hier her?“

„Auf Rektalus gibt es den besten Dünger der Galaxis. Damit sind wir reich geworden. Und was man so unter den führenden Zivilisationen braucht, haben wir uns gekauft. Ist so ähnlich wie bei euch mit den Arabern und dem Öl.“ Eine kleine Gasflamme tanzte auf seinem Hinternkopf.

„Die Araber sind Menschen wie wir“, widersprach Hajo: „Und sie haben eine reichhaltige, hochentwickelte Kultur nach Europa gebracht. Ihnen verdanken wir zum Beispiel die chirurgische Medizin, wie wir sie kennen.“

„Das hätte ihnen heute aber einen Furz genützt. Jedenfalls haben wir uns mit dem Dünger alles gekauft, was wir für interstellare Flüge brauchen. Und wir sind die Nummer eins bei der klimatischen Umwandlung von Steinplaneten für jede passende Spezies. Na gut, der Abstand zur jeweiligen Sonne muss schon einigermaßen stimmen.“

„Heißt das…?“

Katharina fühlte den starren Blick ihres Patenonkels.

„Jo, min Alter. Das mit dem Treibhauseffekt is unser Ding. Aber keine Bange. Wir verändern das hier nich so, dat ihr hier kein Überleben mehr habt. Es muss nur so aussehen, als macht ihr alles kaputt. Und ehrlich gesagt: Ohne unsere Kontrolle hättet ihr es auch schon geschafft. Wir Rektalier wollen uns heimlich ausbreiten, unseren Einfluss verstärken. Und zwar mit euch Menschen. Wir brauchen nämlich Verbündete gegen den hässlichen Intergalaktator Kratuk und seine Schergen.“

„Hässlicher als du ist er wohl kaum“, stellte Hajo fest.

„Du hast ja keine Ahnung“, entgegnete der Rektalier „Ach und übrigens: Ich bin der Gasi, ne?“

Doch weder Hajo noch Katharina wollten seine ausgestreckte Hand ergreifen, deren vier dünne Finger an Würmer erinnerten. So setzten sie ihren Weg zu Fuß durchs Watt fort. Immer wieder entglitt dem Alien ein Furz, hin und wieder zischte das Gasflämmchen bedrohlich in die Höhe.

Obwohl sie nichts wussten VI

(Dieser Text wurde Ihnen übersetzt und zur Verfügung gestellt durch Speech Unlimited Cooperation (SUC):  DEM intergalaktischen Übersetzungsprogramm)

Kratuk wusste nicht welche seiner zahlreichen Körperöffnungen er zuerst stabilisieren sollte. Überall trat massenweise Freudesekret hervor.

Endlich, endlich hatten sie es geschafft. Die Hetzer des interstellaren Aufsichtsrates, die sich nach monatelangem Sägen an seinem Stuhl auf der Zielgerade wähnten, mussten bei diesem Ergebnis klein beigeben.

Es war ein Triumph, eine Offenbarung.

Niemals wieder würden diese Minimalhirne gegen ihn opponieren können.

Kratuk, dem unerschrockenen Intergalaktator, und seinen nicht minder skrupellosen Kameraden war es nicht nur gelungen, diese seltsame Steinformation, die von schäumenden  H2O umgeben war, zu entdecken, sondern auch noch drei passende Biohüllen, mit deren Hilfe sie dieser seltsamen Spezies, die mit irrsinniger Begeisterung ihrem eigenen Untergang entgegenstrebte, auf den Grund gehen konnten.

Nun kann nichts mehr schief gehen, sagte Kratuk zu sich selbst und drehte den, in seinen Körperschutz implantieren Schalter, der die Zufuhr von gegorener Flüssigkeit regelte, auf Maximalaufnahme.

Erst als sich nach hundert Groben (Entspricht etwa zwanzig Litern)  Kratuks Systeme im Ruhemodus befanden, bemerkte der Kommandant den von Angstsekret durchnässten Astrologiker Schmorok, der wimmernd unter seinem Kommandanten-Stuhl kauerte.

„Rabo“ brüllte Kratuk, woraufhin der Astrologiker Haltung annahm.

„RAPPORT“

„Oh großer I“ keuchte der Astrologiker. „Ich befürchte dass die Biohüllen kurz davor sind, sich unserem Einfluss zu entziehen.“

„Waaas?“ Kratuk war außer sich. „Aktion, oder ich pulverisiere dich!!“

 

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