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der Verlag von Alles wird schön e.V.

Schlagwort: Alles wird schön (Seite 1 von 4)

Obwohl sie nichts wussten X

Dr. No Go saß missmutig vor seinem Monitor und wertete die bisherigen Ergebnisse des Testlaufs von VR I aus. Er befürchtete, dem marktführenden Spielehersteller AMACONDA wären sie nicht spektakulär genug.

Seine Probanden trauten sich nur zögerlich, von ihren Möglichkeiten Gebrauch zu machen. Er schüttelte den Kopf.

VR I hatte das Potential, Sterne vom Himmel holen zu können, um damit zu jonglieren. Es war nicht zu vergleichen mit herkömmlichen Spielen, bei denen man Avatare, Waffen und Werkzeuge auswählen konnte, um damit weiter zu kommen.

Bei VR I erschuf man die Realität selbst. Man saß auch nicht mehr vor einer Konsole, sondern war mittendrin im Geschehen. Der virtuelle Raum war mit den Gehirnen der Spieler vernetzt. Man sah, hörte, schmeckte und fühlte wie die Figur, die man steuerte. Und die Spieler hatten die Macht, auf dem Holodeck alles real werden zu lassen, was sie selber ersannen. In Echtzeit!

Frau Dr. Nirwana klopfte an die Tür und lugte um die Ecke, als sie keine Antwort bekam. Sie runzelte die Stirn, als sie die zusammengesunkene Gestalt des Wissenschaftlers hinter den Monitoren erblickte. Der ohnehin kleine Asiate schien geschrumpft zu sein.

„Ich sah noch Licht bei Ihnen. So spät noch bei der Arbeit?“

Dr. No Go hob die Schultern und ließ sie kraftlos wieder fallen, als wären sie viel zu schwer für ihn.

„Darf ich?“ Sie kam um den Schreibtisch herum, trat hinter ihn und warf einen Blick auf die Tabellen und farbigen Verlaufskurven. „Vielversprechend. Respekt!“

Dr. No Go drehte sich zu ihr um und die Ungläubigkeit stand ihm ins Gesicht geschrieben. Sie beugte sich vor und deutete auf die Doppel-Delta-Matrix. „Das sind doch erstaunliche Resultate für den Anfang!“

Mit müden Augen folgte er ihrem Finger und der ansteigenden Kurve.

„Ich verstehe das nicht. Die Spieler könnten alles tun! Und was machen sie? Treffen sich auf einer norddeutschen Insel und stolpern mehr oder weniger planlos durchs Watt!“

„Unfug! Erstens: Was haben Sie erwartet? Dass ihre Testpersonen gleich mit Lichtgeschwindigkeit „Per Anhalter durch die Galaxis“ spielen?“

Sie legte ihre Hände auf die Schultern des kleinen Mannes mit überdimensionalen Visionen. Er war ohne Frage eine Koryphäe auf dem Gebiet der Erforschung und Entwicklung kokreativer Intelligenz (KKI), aber er schien manchmal keinen blassen Schimmer von der normalen, menschlichen Psyche zu haben.

„Zweitens: Die Probanden müssen sich erst an das erweiterte neuronale Netzwerk gewöhnen. Es ist vollkommen naheliegend, dass sie sich zunächst auf gewohnten Nervenbahnen bewegen und vertrautes Terrain bevorzugen.

Drittens: Je mehr Erfahrungen sie sammeln, desto neugieriger und mutiger werden sie. Nach und nach werden sie ihre neuen Fähigkeiten ausbauen und zu gebrauchen wissen.“

Sie deutete auf die exponentiell ansteigende Kurve.

„Außerdem gebe ich zu bedenken, dass es die Akteure mit der Fantasie der Mitspieler zu tun bekommen. Es ist eine enorme Herausforderung für das menschliche Gehirn, neue Eindrücke zu verarbeiten und sich untereinander zu synchronisieren. Sie wollen doch gewiss nicht riskieren, dass hier jemandem die Sicherungen durchbrennen.“

Sie spürte, wie sich Dr. No Go unter ihrem leichten Händedruck ein wenig entspannte.

Er drehte sich zu ihr um. Sie sah zwar eigentlich nichtssagend aus, aber dafür hatte sie ein ganz hübsches Mundwerk, umspielt von einem Lächeln, das ihn an ein Gemälde erinnerte.

Obwohl sie nichts wussten VIII

Noch immer tobte das Unwetter und der Regen prasselte ihnen ins Gesicht. Dem Rektalier schien dies allerdings weniger auszumachen, als Katharina und Hajo. Das Alien gab ein gutes Tempo vor und führte sie durch die stürmische Nacht.

„Nicht stehen bleiben. Wir müssen uns ranhalten!“, rief er ungeduldig, als Hajo irgendwann schnaufend stehenblieb und nach Luft japste.

„Wir müssen vor dem Einsetzten der Flut den Eingang zur geheimen Basis der Rektalier erreichen, sonst saufen wir hier draußen alle ab.“

„Jetzt hetz mal nich so! Meine alten Knochen können nicht schneller“, grummelte Hajo zurück. Doch er setzte sich grimmig in Bewegung. Das Wasser fing langsam, aber merklich wieder an zu steigen. Katharina reichte ihm einen Arm, sodass ihr alter Onkel sich bei ihr abstützen konnte. „Wo war sie da nur rein geraten?“, fragte sie sich zum hundersten Male heute. Hätte sie doch bloß nicht auf diese uralte CD geschaut. Dieses blöde Teil. Hätte sie es nur unbeachtet weggeschmissen. Aber wer konnte schon ahnen, dass dieses obskure Zeug auf dieser CD kein Plot eines verrückten Science-Fiction-Autors, sondern bittere Wahrheit war. Noch immer wusste sie nicht, wie und weshalb dieser Datenträger auf ihrem Schreibtisch gelandet war. Hätten sie diese Daten doch nie geöffnet und erst recht nicht das angebliche Spiel installiert!

Dann hätte sie zumindest vorerst ihr Leben zufrieden und ahnungslos weiterleben können. Doch jetzt war ihr zwar nerdiger, aber eigentlich ganz lieber Kollege Ingo  gefangen auf einem Raumschiff irgendwo im Orbit um die Erde, und sie lief blind einem seltsamen Alien durch das Wattenmeer hinterher. Frustriert schaute sie zu Hajo, dem man die Strapazen mehr als deutlich ansah.

Dann blieb der Rektalier stehen. Vor ihm lag ein unscheinbarer, wenn auch ungewöhnlicher Stein im Watt. Das Alien drehte seinen Hinternkopf zu diesem und ließ eine seiner kriegswaffengeeigneten Gasladungen entweichen. Der Stein wurde vollständig eingenebelt. Einen Moment später hörte man ein Summen und der Stein versenkte sich in das feuchte Watt. Ein Vibrieren setzte ein und mit einem lauten metallischen Quietschen erhob sich aus dem Boden eine kreisförmige Öffnung, in der eine Wendeltreppe in die Tiefe führte.

Obwohl sie nichts wussten VII

„Das Boot!“

Katharina und Hajo schauten zu Jan, der kurz nach seinem Ruf einen fahren ließ. Sie folgten ihm an den Steg. Die beiden ließen Katharina einsteigen und lösten die Schnüre.

Jan seufzte. „Hoffentlich können wir die Fahrrinne noch sehen.“ Und furzte erneut.

„Von wegen Fahrrinne“, Hajo schüttelte den Kopf: „Wir müssen durch die Prile.“

„Aber… dazu bräuchten wir unsere Geräte…“ Weiter kam Jan nicht, weil er furchtbar rülpsen musste.

„Auf keinen Fall“, rief Katharina. „Die steckt ihr alle schön in die unscannbaren Rucksäcke!“

„Worum ich euch herzlich bitte“, forderte Hajo. Dann trennte er den Außenborder vom Heck und ließ ihn gurgelnd versinken.

„Bist du wahnsinnig“, empörte sich Jan. „Wie sollen wir es denn so durch die Prile schaffrrrülpss?“

„Die Menschheit ist auch mal ohne Technik ausgekommen! So alte Knochen wie ich haben etwas, das man Wissen und Erfahrung nennt.“ Er holte zwei Ruder vor und klemmte sie in die Pinnen: „Ruderst du oder ich, min Jung?“

Katharina sah den alten Seebären an: „Glaubst du wirklich, das klappt?“

„Ist ja wohl unsere einzige Chance.“

„Okrüüülps“ Jan sah entschuldigend in die Runde. „Okay. Ich mach’s.“

„Ich kann das eigentlich gar nicht von euch verlangen“, überlegte Katharina.

„Doch, kanssurrrrrülps“ Und schon stellte Jan einen weiteren Koffer in die Landschaft, dass das Boot hüpfte.

„Sag mal, Kerl: Hast du schlecht gegessen oder was?“ Hajo erhielt keine Antwort.

Jan legte sich in die Riemen und brachte das Boot mit kraftvollen Schlägen voran. „Sag, wo ich lang muss.“

Als Jan es aus seinem Allerwertesten so krachen ließ, dass der Querbalken seiner Ruderbank splitternd zerbarst, wusste Katharina, was los war.

„Oh nein“, rief sie.

„Lass man! – Rülpsss! – Kein Problem.“ Jan, der nun eine Etage tiefer im Boot saß, war nicht länger in der Lage zu rudern. „Duckt euch“, rief er.

„Wie jetzt?“ Hajo legte den Kopf schief, aber da drückte Katharina ihren Patenonkel schon auf die Bootsplanken.

Jan erhob sich im wankenden Boot, bückte sich und reckte seinen Hintern vor. Ein wahrer Schuss knallte zwischen seinen Gesäßhälften nach hinten, zerriss ihm die Hose und jagte das Boot in einem höllischen Speed durch die Wellen. Eine blauweiße Gasflamme zischte aus seinem Hintern, begleitet von einem Sound, als würden Kanonenkugeln wie MG-Salven abgefeuert. Das alte Holzboot türmte bei mindestens 50 Knoten Fahrt (über 90 km/h) eine mächtige schäumende Bugwelle auf.

„Was hat das zu bedeuten?“ schrie Hajo gegen das Inferno an.

„Er verwandelt sich“, schrie Katharina zurück.

„A-aber in was denn?“

„In einen…“ weiter kam sie nicht. Das Boot lief auf eine Muschelbank, überschlug sich und begrub seine Passagiere kopfüber mit den Rändern auf die Muscheln knallend. Die Muschelschalen pieksten, doch Katharina schien nirgendwo zu bluten. Sie hatte keinen Zweifel, dass Jan am ehesten unversehrt geblieben war. Da richtete er sich schon wieder auf und hob das Boot an. Katharina und Hajo krochen hervor: Auch der alte Seebär erwies sich als unverwüstlich. Jan erhob sich nun ganz zu seiner neuen Größe und das Boot krachte hinter ihm mit dem Kiel auf die Muscheln, wo es sich splitternd halbierte. Die Metamorphose des jungen Mannes war ein fürchterlicher Anblick. Die letzten Fetzen seiner Textilien fielen von ihm ab, sein blanker Hintern wanderte nach oben, die Arme wurden zu Beinen, zwischen denen der Kopf wie ein ungelegtes Ei hängen blieb. Das Gesicht verschwamm, die Augen verflüchtigten sich, doch der Mund blieb, während unten nun oben war und ein übereinander liegendes Augenpaar auf jeder Gesäßhälfte zwinkerte. Die Beine hatten sich in dünne Arme verwandelt. Ein braunglänzendes, schrumpliges Etwas stand da vor ihnen.

„Was ist das denn“, schrie Hajo. Katharina fühlte Mitleid mit ihrem Patenonkel, den so leicht nichts aus der Fassung bringen konnte. Aber das hier musste auch für ihn zu viel sein.“Was ist hier los, verdammich?“ Seine Blicke wechselten zwischen ihr und dem, was einmal Jan war, hin und her.

„Ich bin ein Rektalier“, kam es unten aus dem Mund des Geschöpfes, das einmal Jan war: „Vom Planeten Rektalus aus dem Sternbild des Häufchens.“

„Sag nur, du willst ein intelligentes Alien sein.“

„Fast so intelligent wie ihr Menschen.“

Fast? Wie kommt ihr dann hier her?“

„Auf Rektalus gibt es den besten Dünger der Galaxis. Damit sind wir reich geworden. Und was man so unter den führenden Zivilisationen braucht, haben wir uns gekauft. Ist so ähnlich wie bei euch mit den Arabern und dem Öl.“ Eine kleine Gasflamme tanzte auf seinem Hinternkopf.

„Die Araber sind Menschen wie wir“, widersprach Hajo: „Und sie haben eine reichhaltige, hochentwickelte Kultur nach Europa gebracht. Ihnen verdanken wir zum Beispiel die chirurgische Medizin, wie wir sie kennen.“

„Das hätte ihnen heute aber einen Furz genützt. Jedenfalls haben wir uns mit dem Dünger alles gekauft, was wir für interstellare Flüge brauchen. Und wir sind die Nummer eins bei der klimatischen Umwandlung von Steinplaneten für jede passende Spezies. Na gut, der Abstand zur jeweiligen Sonne muss schon einigermaßen stimmen.“

„Heißt das…?“

Katharina fühlte den starren Blick ihres Patenonkels.

„Jo, min Alter. Das mit dem Treibhauseffekt is unser Ding. Aber keine Bange. Wir verändern das hier nich so, dat ihr hier kein Überleben mehr habt. Es muss nur so aussehen, als macht ihr alles kaputt. Und ehrlich gesagt: Ohne unsere Kontrolle hättet ihr es auch schon geschafft. Wir Rektalier wollen uns heimlich ausbreiten, unseren Einfluss verstärken. Und zwar mit euch Menschen. Wir brauchen nämlich Verbündete gegen den hässlichen Intergalaktator Kratuk und seine Schergen.“

„Hässlicher als du ist er wohl kaum“, stellte Hajo fest.

„Du hast ja keine Ahnung“, entgegnete der Rektalier „Ach und übrigens: Ich bin der Gasi, ne?“

Doch weder Hajo noch Katharina wollten seine ausgestreckte Hand ergreifen, deren vier dünne Finger an Würmer erinnerten. So setzten sie ihren Weg zu Fuß durchs Watt fort. Immer wieder entglitt dem Alien ein Furz, hin und wieder zischte das Gasflämmchen bedrohlich in die Höhe.

Obwohl sie nichts wussten VI

(Dieser Text wurde Ihnen übersetzt und zur Verfügung gestellt durch Speech Unlimited Cooperation (SUC):  DEM intergalaktischen Übersetzungsprogramm)

Kratuk wusste nicht welche seiner zahlreichen Körperöffnungen er zuerst stabilisieren sollte. Überall trat massenweise Freudesekret hervor.

Endlich, endlich hatten sie es geschafft. Die Hetzer des interstellaren Aufsichtsrates, die sich nach monatelangem Sägen an seinem Stuhl auf der Zielgerade wähnten, mussten bei diesem Ergebnis klein beigeben.

Es war ein Triumph, eine Offenbarung.

Niemals wieder würden diese Minimalhirne gegen ihn opponieren können.

Kratuk, dem unerschrockenen Intergalaktator, und seinen nicht minder skrupellosen Kameraden war es nicht nur gelungen, diese seltsame Steinformation, die von schäumenden  H2O umgeben war, zu entdecken, sondern auch noch drei passende Biohüllen, mit deren Hilfe sie dieser seltsamen Spezies, die mit irrsinniger Begeisterung ihrem eigenen Untergang entgegenstrebte, auf den Grund gehen konnten.

Nun kann nichts mehr schief gehen, sagte Kratuk zu sich selbst und drehte den, in seinen Körperschutz implantieren Schalter, der die Zufuhr von gegorener Flüssigkeit regelte, auf Maximalaufnahme.

Erst als sich nach hundert Groben (Entspricht etwa zwanzig Litern)  Kratuks Systeme im Ruhemodus befanden, bemerkte der Kommandant den von Angstsekret durchnässten Astrologiker Schmorok, der wimmernd unter seinem Kommandanten-Stuhl kauerte.

„Rabo“ brüllte Kratuk, woraufhin der Astrologiker Haltung annahm.

„RAPPORT“

„Oh großer I“ keuchte der Astrologiker. „Ich befürchte dass die Biohüllen kurz davor sind, sich unserem Einfluss zu entziehen.“

„Waaas?“ Kratuk war außer sich. „Aktion, oder ich pulverisiere dich!!“

 

Zeugnis eines Außenseiters – Ein Interview mit dem Autor

Kürzlich bei awsLiteratur veröffentlicht: „Zeugnis eines Außenseiters“ von Klaus von Hollen.

Aus der Ich-Perspektive erzählt er die Geschichte von Paul. Eine Geschichte enttäuschter Hoffnungen und bitterböser Erfahrungen. Aber auch eine Geschichte der Auflehnung und Selbstbehauptung. Allen Widrigkeiten zum Trotz rettet er sich mit Sarkasmus und anderen Mitteln über die Runden.

Ich traf Klaus, um mehr zu erfahren.

Erst einmal Gratulation zu deinem Roman-Debüt. Was war dein Grundmotiv?

Ich denke oft an die Erlebnisse meiner Kindheit und Jugend zurück. Dadurch entstand die Idee, sie in Form einer Geschichte niederzuschreiben. Dass daraus ein Roman werden würde, hätte ich anfangs nicht geglaubt.

Fiel es dir leicht, die Charaktere deiner Figuren zu entwerfen, ihnen ein Gesicht zu geben, eine Stimme, eine Biografie?

Paul enthält natürlich viele Facetten meiner Persönlichkeit. Ich lasse ihn Episoden erleben, die mir im wahren Leben widerfahren sind. Das Verhältnis von Paul zu seinem Vater ähnelt  der realen Beziehung zu meinem Vater, die eher korrekt als herzlich war. Natürlich war mein Vater kein charakterloser Mistkerl wie Rudolf Lohmann. Die Person Jackie spiegelt meine damalige Sehnsucht nach einer Vertrauensperson, mit  der man über alles reden kann, wider. Die restlichen Personen sind frei erfunden.

Dein Protagonist Paul ist eine vielschichtige Persönlichkeit. Welche Facette wolltest du besonders betonen?

Ich habe mir da keine Schwerpunkte gesetzt.

Die Frustration und den aufgestauten Groll von Paul bringst du mit einer Sprache zum Ausdruck, die deiner Figur viel Authentizität verleiht, für Leser*innen allerdings nicht leicht zu verdauen sein dürfte. Glaubst du, sie verstehen dieses Stilmittel?

Warum sollten die Leser*innen das nicht verstehen? Ich schreibe nicht gekünstelt, sondern so wie mir der Schnabel gewachsen ist und Pauls frustrierende Erlebnisse sind alles andere als einzigartig.

Dass Verbitterung ein Rachemotiv ist und ein Gewaltpotential bei Paul spürbar ist, macht den Roman spannend. Doch du führst die Leser*innen ein wenig an der Nase herum. Oder irre ich mich? Jedenfalls ging es mir so, dass es mehrmals anders kam als gedacht.

Ich finde es gut, wenn ein Buch viele überraschende Wendungen hat. Nichts ist langweiliger als Vorhersehbarkeit oder ein Happy End.

Belassen wir es erst einmal dabei. Die Leser*innen können sich selbst ein Bild von dem Außenseiter machen.

Ich würde gerne noch ein paar allgemeine Fragen stellen. Zum Beispiel, ob du in das berüchtigte Loch gefallen bist, nachdem der Roman in Druck gegangen ist? Viele Autoren berichten, dass sie sich nach Beendigung eines Projektes erst einmal leer fühlten, als würden sie nie wieder etwas zu Papier bringen. Oder arbeitest du bereits an einem neuen Buch?

Ich habe keine konkreten Pläne für ein neues Buch und schreibe zurzeit so gut wie gar nicht. Wenn es irgendwann wieder losgeht, werde ich mich der Überarbeitung älterer Texte widmen.

Welche Themen interessieren dich, welches Genre bevorzugst du?

Ich habe in der Hinsicht keine Schwerpunkte. Mir gefallen schräge Geschichten mit schwarzem und anarchischem Humor.

Hast du eine Schreibroutine oder wartest du auf den richtigen Moment und legst dann los?

Es wäre vielleicht hilfreich, die Schreiberei in einen festen zeitlichen Rhythmus zu bringen. Viele Autoren berichten ja, dass ihnen nur auf diese Weise die Ideen kommen. Mir fällt es sehr schwer, mich ohne Plan vor einen weißen Bildschirm zu setzen. Das liegt wahrscheinlich an meiner Ungeduld und meiner niedrigen Frustrationstoleranz.

Gibt es jemanden, dem du deine Texte zeigst, bevor sie fertig sind bzw. holst du andere Meinungen ein? Oder verlässt du dich lieber auf dein eigenes Urteil?

Ich trage meine Werke hin und wieder den Mitgliedern der Schreibwerkstatt in Hamburg-Heimfeld vor, setze Änderungsvorschläge aber nur um, wenn mein Bauch „ja“ dazu sagt.

Gibt es einen Tipp, den du anderen Autoren geben kannst, wenn sie in einer Geschichte feststecken?

Man kann seine Schwierigkeiten mit anderen Autoren diskutieren. Ansonsten habe ich keine Idee, wie man Knoten im Kopf auflösen könnte. Andenfalls würde ich wesentlich mehr schreiben.

Lieber Klaus, Danke, dass du uns Rede und Antwort gestanden hast. Viel Erfolg mit dem Verkauf deines Buches und Freude am Schreiben weiterer Werke!

 

  • Zeugnis eines Außenseiters, Klaus von Hollen,
    1. Auflage, 236 Seiten, ISBN 978-3-947051-01-4, Preis: 9,- EUR
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