awsLiteratur

der Verlag von Alles wird schön e.V.

Schlagwort: Alles wird schön (Seite 1 von 4)

28. April 2018 – awsLiteratur stellt sich vor

Am Samstag, den 28. April 2018, präsentiert der Heimfelder Kulturverein „Alles wird schön e.V.“, Friedrich-Naumann-Str. 27, 21075 Hamburg, zwischen 16:00 und 20 Uhr sein junges Verlagsprojekt mit Musik und Getränken.

Jan Christoph Nerger liest aus seinem prallbunten Hamburg-Roman „Club der Sturmvögel“: Der alternde Popstar Alex findet mit unangepassten Freunden zurück zum Wesentlichen: Lieben! Leben! Sein Ding machen!

Klaus von Hollen liest aus seinem Roman „Zeugnis eines Außenseiters“  Der stotternde Außenseiter Paul setzt sich gegen seine Widersacher zur Wehr.

Maria Da Silva Ataide-Estevao liest aus ihrem Romanerstling „Nina – Das lebende Chaos“: Die aufsässige Punkerin Nina kämpft sich aus Obdachlosigkeit, Drogenabhängigkeit und Prostitution nach vorn. Mit ihrer Lebensfreude und ihrem Mut straft sie alle Lügen, die sie abgeschrieben haben…

„Traum und Aufbruch“ – Geschichten aus Phantastik und Science-Fiction: Es geht um die Besiedelung der Erde, um das Geheimnis eines modernen Rechenzentrums und um die Wahrheit über Rotkäppchen und den bösen Wolf!

Anschließend und in den Pausen können Sie ausgiebig mit den Autoren ins Gespräch kommen und deren – natürlich gern handsignierte und gewidmete – Bücher erwerben.

14. April 2018 – Thrillerlesung

Morgen ist es soweit. Die Thrillerlesung im Rahmen der diesjährigen Suedlese von Alexandra Krebs und Kim Rylee findet um 16 Uhr bei „Alles wird schön .e.V“ in der Friedrich-Naumanstraße 27, 21075 Hamburg, statt.

Weitere Informationen gibt es hier.

 

 

Obwohl sie nichts wussten X

Dr. No Go saß missmutig vor seinem Monitor und wertete die bisherigen Ergebnisse des Testlaufs von VR I aus. Er befürchtete, dem marktführenden Spielehersteller AMACONDA wären sie nicht spektakulär genug.

Seine Probanden trauten sich nur zögerlich, von ihren Möglichkeiten Gebrauch zu machen. Er schüttelte den Kopf.

VR I hatte das Potential, Sterne vom Himmel holen zu können, um damit zu jonglieren. Es war nicht zu vergleichen mit herkömmlichen Spielen, bei denen man Avatare, Waffen und Werkzeuge auswählen konnte, um damit weiter zu kommen.

Bei VR I erschuf man die Realität selbst. Man saß auch nicht mehr vor einer Konsole, sondern war mittendrin im Geschehen. Der virtuelle Raum war mit den Gehirnen der Spieler vernetzt. Man sah, hörte, schmeckte und fühlte wie die Figur, die man steuerte. Und die Spieler hatten die Macht, auf dem Holodeck alles real werden zu lassen, was sie selber ersannen. In Echtzeit!

Frau Dr. Nirwana klopfte an die Tür und lugte um die Ecke, als sie keine Antwort bekam. Sie runzelte die Stirn, als sie die zusammengesunkene Gestalt des Wissenschaftlers hinter den Monitoren erblickte. Der ohnehin kleine Asiate schien geschrumpft zu sein.

„Ich sah noch Licht bei Ihnen. So spät noch bei der Arbeit?“

Dr. No Go hob die Schultern und ließ sie kraftlos wieder fallen, als wären sie viel zu schwer für ihn.

„Darf ich?“ Sie kam um den Schreibtisch herum, trat hinter ihn und warf einen Blick auf die Tabellen und farbigen Verlaufskurven. „Vielversprechend. Respekt!“

Dr. No Go drehte sich zu ihr um und die Ungläubigkeit stand ihm ins Gesicht geschrieben. Sie beugte sich vor und deutete auf die Doppel-Delta-Matrix. „Das sind doch erstaunliche Resultate für den Anfang!“

Mit müden Augen folgte er ihrem Finger und der ansteigenden Kurve.

„Ich verstehe das nicht. Die Spieler könnten alles tun! Und was machen sie? Treffen sich auf einer norddeutschen Insel und stolpern mehr oder weniger planlos durchs Watt!“

„Unfug! Erstens: Was haben Sie erwartet? Dass ihre Testpersonen gleich mit Lichtgeschwindigkeit „Per Anhalter durch die Galaxis“ spielen?“

Sie legte ihre Hände auf die Schultern des kleinen Mannes mit überdimensionalen Visionen. Er war ohne Frage eine Koryphäe auf dem Gebiet der Erforschung und Entwicklung kokreativer Intelligenz (KKI), aber er schien manchmal keinen blassen Schimmer von der normalen, menschlichen Psyche zu haben.

„Zweitens: Die Probanden müssen sich erst an das erweiterte neuronale Netzwerk gewöhnen. Es ist vollkommen naheliegend, dass sie sich zunächst auf gewohnten Nervenbahnen bewegen und vertrautes Terrain bevorzugen.

Drittens: Je mehr Erfahrungen sie sammeln, desto neugieriger und mutiger werden sie. Nach und nach werden sie ihre neuen Fähigkeiten ausbauen und zu gebrauchen wissen.“

Sie deutete auf die exponentiell ansteigende Kurve.

„Außerdem gebe ich zu bedenken, dass es die Akteure mit der Fantasie der Mitspieler zu tun bekommen. Es ist eine enorme Herausforderung für das menschliche Gehirn, neue Eindrücke zu verarbeiten und sich untereinander zu synchronisieren. Sie wollen doch gewiss nicht riskieren, dass hier jemandem die Sicherungen durchbrennen.“

Sie spürte, wie sich Dr. No Go unter ihrem leichten Händedruck ein wenig entspannte.

Er drehte sich zu ihr um. Sie sah zwar eigentlich nichtssagend aus, aber dafür hatte sie ein ganz hübsches Mundwerk, umspielt von einem Lächeln, das ihn an ein Gemälde erinnerte.

Obwohl sie nichts wussten VIII

Noch immer tobte das Unwetter und der Regen prasselte ihnen ins Gesicht. Dem Rektalier schien dies allerdings weniger auszumachen, als Katharina und Hajo. Das Alien gab ein gutes Tempo vor und führte sie durch die stürmische Nacht.

„Nicht stehen bleiben. Wir müssen uns ranhalten!“, rief er ungeduldig, als Hajo irgendwann schnaufend stehenblieb und nach Luft japste.

„Wir müssen vor dem Einsetzten der Flut den Eingang zur geheimen Basis der Rektalier erreichen, sonst saufen wir hier draußen alle ab.“

„Jetzt hetz mal nich so! Meine alten Knochen können nicht schneller“, grummelte Hajo zurück. Doch er setzte sich grimmig in Bewegung. Das Wasser fing langsam, aber merklich wieder an zu steigen. Katharina reichte ihm einen Arm, sodass ihr alter Onkel sich bei ihr abstützen konnte. „Wo war sie da nur rein geraten?“, fragte sie sich zum hundersten Male heute. Hätte sie doch bloß nicht auf diese uralte CD geschaut. Dieses blöde Teil. Hätte sie es nur unbeachtet weggeschmissen. Aber wer konnte schon ahnen, dass dieses obskure Zeug auf dieser CD kein Plot eines verrückten Science-Fiction-Autors, sondern bittere Wahrheit war. Noch immer wusste sie nicht, wie und weshalb dieser Datenträger auf ihrem Schreibtisch gelandet war. Hätten sie diese Daten doch nie geöffnet und erst recht nicht das angebliche Spiel installiert!

Dann hätte sie zumindest vorerst ihr Leben zufrieden und ahnungslos weiterleben können. Doch jetzt war ihr zwar nerdiger, aber eigentlich ganz lieber Kollege Ingo  gefangen auf einem Raumschiff irgendwo im Orbit um die Erde, und sie lief blind einem seltsamen Alien durch das Wattenmeer hinterher. Frustriert schaute sie zu Hajo, dem man die Strapazen mehr als deutlich ansah.

Dann blieb der Rektalier stehen. Vor ihm lag ein unscheinbarer, wenn auch ungewöhnlicher Stein im Watt. Das Alien drehte seinen Hinternkopf zu diesem und ließ eine seiner kriegswaffengeeigneten Gasladungen entweichen. Der Stein wurde vollständig eingenebelt. Einen Moment später hörte man ein Summen und der Stein versenkte sich in das feuchte Watt. Ein Vibrieren setzte ein und mit einem lauten metallischen Quietschen erhob sich aus dem Boden eine kreisförmige Öffnung, in der eine Wendeltreppe in die Tiefe führte.

Obwohl sie nichts wussten VII

„Das Boot!“

Katharina und Hajo schauten zu Jan, der kurz nach seinem Ruf einen fahren ließ. Sie folgten ihm an den Steg. Die beiden ließen Katharina einsteigen und lösten die Schnüre.

Jan seufzte. „Hoffentlich können wir die Fahrrinne noch sehen.“ Und furzte erneut.

„Von wegen Fahrrinne“, Hajo schüttelte den Kopf: „Wir müssen durch die Prile.“

„Aber… dazu bräuchten wir unsere Geräte…“ Weiter kam Jan nicht, weil er furchtbar rülpsen musste.

„Auf keinen Fall“, rief Katharina. „Die steckt ihr alle schön in die unscannbaren Rucksäcke!“

„Worum ich euch herzlich bitte“, forderte Hajo. Dann trennte er den Außenborder vom Heck und ließ ihn gurgelnd versinken.

„Bist du wahnsinnig“, empörte sich Jan. „Wie sollen wir es denn so durch die Prile schaffrrrülpss?“

„Die Menschheit ist auch mal ohne Technik ausgekommen! So alte Knochen wie ich haben etwas, das man Wissen und Erfahrung nennt.“ Er holte zwei Ruder vor und klemmte sie in die Pinnen: „Ruderst du oder ich, min Jung?“

Katharina sah den alten Seebären an: „Glaubst du wirklich, das klappt?“

„Ist ja wohl unsere einzige Chance.“

„Okrüüülps“ Jan sah entschuldigend in die Runde. „Okay. Ich mach’s.“

„Ich kann das eigentlich gar nicht von euch verlangen“, überlegte Katharina.

„Doch, kanssurrrrrülps“ Und schon stellte Jan einen weiteren Koffer in die Landschaft, dass das Boot hüpfte.

„Sag mal, Kerl: Hast du schlecht gegessen oder was?“ Hajo erhielt keine Antwort.

Jan legte sich in die Riemen und brachte das Boot mit kraftvollen Schlägen voran. „Sag, wo ich lang muss.“

Als Jan es aus seinem Allerwertesten so krachen ließ, dass der Querbalken seiner Ruderbank splitternd zerbarst, wusste Katharina, was los war.

„Oh nein“, rief sie.

„Lass man! – Rülpsss! – Kein Problem.“ Jan, der nun eine Etage tiefer im Boot saß, war nicht länger in der Lage zu rudern. „Duckt euch“, rief er.

„Wie jetzt?“ Hajo legte den Kopf schief, aber da drückte Katharina ihren Patenonkel schon auf die Bootsplanken.

Jan erhob sich im wankenden Boot, bückte sich und reckte seinen Hintern vor. Ein wahrer Schuss knallte zwischen seinen Gesäßhälften nach hinten, zerriss ihm die Hose und jagte das Boot in einem höllischen Speed durch die Wellen. Eine blauweiße Gasflamme zischte aus seinem Hintern, begleitet von einem Sound, als würden Kanonenkugeln wie MG-Salven abgefeuert. Das alte Holzboot türmte bei mindestens 50 Knoten Fahrt (über 90 km/h) eine mächtige schäumende Bugwelle auf.

„Was hat das zu bedeuten?“ schrie Hajo gegen das Inferno an.

„Er verwandelt sich“, schrie Katharina zurück.

„A-aber in was denn?“

„In einen…“ weiter kam sie nicht. Das Boot lief auf eine Muschelbank, überschlug sich und begrub seine Passagiere kopfüber mit den Rändern auf die Muscheln knallend. Die Muschelschalen pieksten, doch Katharina schien nirgendwo zu bluten. Sie hatte keinen Zweifel, dass Jan am ehesten unversehrt geblieben war. Da richtete er sich schon wieder auf und hob das Boot an. Katharina und Hajo krochen hervor: Auch der alte Seebär erwies sich als unverwüstlich. Jan erhob sich nun ganz zu seiner neuen Größe und das Boot krachte hinter ihm mit dem Kiel auf die Muscheln, wo es sich splitternd halbierte. Die Metamorphose des jungen Mannes war ein fürchterlicher Anblick. Die letzten Fetzen seiner Textilien fielen von ihm ab, sein blanker Hintern wanderte nach oben, die Arme wurden zu Beinen, zwischen denen der Kopf wie ein ungelegtes Ei hängen blieb. Das Gesicht verschwamm, die Augen verflüchtigten sich, doch der Mund blieb, während unten nun oben war und ein übereinander liegendes Augenpaar auf jeder Gesäßhälfte zwinkerte. Die Beine hatten sich in dünne Arme verwandelt. Ein braunglänzendes, schrumpliges Etwas stand da vor ihnen.

„Was ist das denn“, schrie Hajo. Katharina fühlte Mitleid mit ihrem Patenonkel, den so leicht nichts aus der Fassung bringen konnte. Aber das hier musste auch für ihn zu viel sein.“Was ist hier los, verdammich?“ Seine Blicke wechselten zwischen ihr und dem, was einmal Jan war, hin und her.

„Ich bin ein Rektalier“, kam es unten aus dem Mund des Geschöpfes, das einmal Jan war: „Vom Planeten Rektalus aus dem Sternbild des Häufchens.“

„Sag nur, du willst ein intelligentes Alien sein.“

„Fast so intelligent wie ihr Menschen.“

Fast? Wie kommt ihr dann hier her?“

„Auf Rektalus gibt es den besten Dünger der Galaxis. Damit sind wir reich geworden. Und was man so unter den führenden Zivilisationen braucht, haben wir uns gekauft. Ist so ähnlich wie bei euch mit den Arabern und dem Öl.“ Eine kleine Gasflamme tanzte auf seinem Hinternkopf.

„Die Araber sind Menschen wie wir“, widersprach Hajo: „Und sie haben eine reichhaltige, hochentwickelte Kultur nach Europa gebracht. Ihnen verdanken wir zum Beispiel die chirurgische Medizin, wie wir sie kennen.“

„Das hätte ihnen heute aber einen Furz genützt. Jedenfalls haben wir uns mit dem Dünger alles gekauft, was wir für interstellare Flüge brauchen. Und wir sind die Nummer eins bei der klimatischen Umwandlung von Steinplaneten für jede passende Spezies. Na gut, der Abstand zur jeweiligen Sonne muss schon einigermaßen stimmen.“

„Heißt das…?“

Katharina fühlte den starren Blick ihres Patenonkels.

„Jo, min Alter. Das mit dem Treibhauseffekt is unser Ding. Aber keine Bange. Wir verändern das hier nich so, dat ihr hier kein Überleben mehr habt. Es muss nur so aussehen, als macht ihr alles kaputt. Und ehrlich gesagt: Ohne unsere Kontrolle hättet ihr es auch schon geschafft. Wir Rektalier wollen uns heimlich ausbreiten, unseren Einfluss verstärken. Und zwar mit euch Menschen. Wir brauchen nämlich Verbündete gegen den hässlichen Intergalaktator Kratuk und seine Schergen.“

„Hässlicher als du ist er wohl kaum“, stellte Hajo fest.

„Du hast ja keine Ahnung“, entgegnete der Rektalier „Ach und übrigens: Ich bin der Gasi, ne?“

Doch weder Hajo noch Katharina wollten seine ausgestreckte Hand ergreifen, deren vier dünne Finger an Würmer erinnerten. So setzten sie ihren Weg zu Fuß durchs Watt fort. Immer wieder entglitt dem Alien ein Furz, hin und wieder zischte das Gasflämmchen bedrohlich in die Höhe.

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