awsLiteratur

der Verlag von Alles wird schön e.V.

Autor: Sonja Alphonso (Seite 1 von 3)

Ernstzunehmende komische Käuze

Unser Engagement in diesem Verlag gründet auf dem Wunsch, unabhängig und selbstwirksam etwas zu verwirklichen, wofür wir ein Faible haben.

An dieser Stelle spreche ich für mich: Ich habe mich der Vielfalt und dem Austausch verschrieben. Bei der Auseinandersetzung mit Texten und anderen Menschen erfahre ich oft viel Interessantes, auch über mich selbst. Früher habe ich „nur“ viel gelesen, später selbst geschrieben. Beides ist für mich zum A und O geworden. Lesen und Schreiben bildet und ist die Herausforderung wert.

Die Suche nach Antworten auf die Frage, was mir gefällt und was nicht, konfrontiert mich bisweilen mit eigener Engstirnigkeit. Je weniger ich meine Erfahrungen und meinen persönlichen Geschmack zum Maß aller Dinge mache, desto eher öffnet sich ein Raum für besseres Verständnis Andersdenkender und -fühlender.

Das kann meine Toleranzgrenze verrücken und meinen Horizont erweitern. Das einzige, was ich hierfür brauche, ist eine gewisse Aufgeschlossenheit und Neugierde. Die will ich möglichst bei jeder Begegnung mitbringen, denn nur so kann ich dazulernen.

In diesem Sinne sehe ich den nächsten Gesprächen mit Autoren und Autorinnen, deren Lesungen und Veröffentlichungen voller Vorfreude entgegen.

SuedKultur-Tipp mit Tiefgang

Dienstag, 9. April 2018 um 20 Uhr im Pub Old Dubliner.

Die Individualität von Abgründen

Obwohl sie nichts wussten X

Dr. No Go saß missmutig vor seinem Monitor und wertete die bisherigen Ergebnisse des Testlaufs von VR I aus. Er befürchtete, dem marktführenden Spielehersteller AMACONDA wären sie nicht spektakulär genug.

Seine Probanden trauten sich nur zögerlich, von ihren Möglichkeiten Gebrauch zu machen. Er schüttelte den Kopf.

VR I hatte das Potential, Sterne vom Himmel holen zu können, um damit zu jonglieren. Es war nicht zu vergleichen mit herkömmlichen Spielen, bei denen man Avatare, Waffen und Werkzeuge auswählen konnte, um damit weiter zu kommen.

Bei VR I erschuf man die Realität selbst. Man saß auch nicht mehr vor einer Konsole, sondern war mittendrin im Geschehen. Der virtuelle Raum war mit den Gehirnen der Spieler vernetzt. Man sah, hörte, schmeckte und fühlte wie die Figur, die man steuerte. Und die Spieler hatten die Macht, auf dem Holodeck alles real werden zu lassen, was sie selber ersannen. In Echtzeit!

Frau Dr. Nirwana klopfte an die Tür und lugte um die Ecke, als sie keine Antwort bekam. Sie runzelte die Stirn, als sie die zusammengesunkene Gestalt des Wissenschaftlers hinter den Monitoren erblickte. Der ohnehin kleine Asiate schien geschrumpft zu sein.

„Ich sah noch Licht bei Ihnen. So spät noch bei der Arbeit?“

Dr. No Go hob die Schultern und ließ sie kraftlos wieder fallen, als wären sie viel zu schwer für ihn.

„Darf ich?“ Sie kam um den Schreibtisch herum, trat hinter ihn und warf einen Blick auf die Tabellen und farbigen Verlaufskurven. „Vielversprechend. Respekt!“

Dr. No Go drehte sich zu ihr um und die Ungläubigkeit stand ihm ins Gesicht geschrieben. Sie beugte sich vor und deutete auf die Doppel-Delta-Matrix. „Das sind doch erstaunliche Resultate für den Anfang!“

Mit müden Augen folgte er ihrem Finger und der ansteigenden Kurve.

„Ich verstehe das nicht. Die Spieler könnten alles tun! Und was machen sie? Treffen sich auf einer norddeutschen Insel und stolpern mehr oder weniger planlos durchs Watt!“

„Unfug! Erstens: Was haben Sie erwartet? Dass ihre Testpersonen gleich mit Lichtgeschwindigkeit „Per Anhalter durch die Galaxis“ spielen?“

Sie legte ihre Hände auf die Schultern des kleinen Mannes mit überdimensionalen Visionen. Er war ohne Frage eine Koryphäe auf dem Gebiet der Erforschung und Entwicklung kokreativer Intelligenz (KKI), aber er schien manchmal keinen blassen Schimmer von der normalen, menschlichen Psyche zu haben.

„Zweitens: Die Probanden müssen sich erst an das erweiterte neuronale Netzwerk gewöhnen. Es ist vollkommen naheliegend, dass sie sich zunächst auf gewohnten Nervenbahnen bewegen und vertrautes Terrain bevorzugen.

Drittens: Je mehr Erfahrungen sie sammeln, desto neugieriger und mutiger werden sie. Nach und nach werden sie ihre neuen Fähigkeiten ausbauen und zu gebrauchen wissen.“

Sie deutete auf die exponentiell ansteigende Kurve.

„Außerdem gebe ich zu bedenken, dass es die Akteure mit der Fantasie der Mitspieler zu tun bekommen. Es ist eine enorme Herausforderung für das menschliche Gehirn, neue Eindrücke zu verarbeiten und sich untereinander zu synchronisieren. Sie wollen doch gewiss nicht riskieren, dass hier jemandem die Sicherungen durchbrennen.“

Sie spürte, wie sich Dr. No Go unter ihrem leichten Händedruck ein wenig entspannte.

Er drehte sich zu ihr um. Sie sah zwar eigentlich nichtssagend aus, aber dafür hatte sie ein ganz hübsches Mundwerk, umspielt von einem Lächeln, das ihn an ein Gemälde erinnerte.

Obwohl sie nichts wussten, Teil V

Katharina war bereits mit Jan im Schlepptau auf dem Weg zur Tür, als sie Hajo vor dem Fenster wild gestikulieren sah. Sie eilten nach draußen und sahen es auch: Das bläuliche Licht, das schnurgerade von oben nach unten wie durch einen Türspalt fiel und sich langsam von links nach rechts tastete. Sie hatte gehofft, ihnen würde mehr Zeit bleiben, um den Tunnel zu finden, der sie selbst vor der Ortung bewahren und ihr einen weiteren Vorsprung verschaffen könnte.

Doch der Strich in der Landschaft ließ vermuten, dass die Insel in diesem Moment gescannt wurde. Die Auswertung würde ihren Verfolgern gewiss die exakten Koordinaten ihres Standortes liefern und die Suche nach ihr beschleunigen. Wie zum Teufel sollte sie so schnell einen Ausweg finden, der sie von hier wegbrachte??!

Sie fröstelte. War es die Angst oder die Kälte der Nacht? Sie versuchte, klar zu denken, doch es gelang ihr nicht. In heller Aufregung stürzten die drei hinaus in die Finsternis, die ihnen kaum Schutz bieten würde, und wurden innerhalb kürzester Zeit von der Dunkelheit verschluckt.

 

Zeugnis eines Außenseiters – Ein Interview mit dem Autor

Kürzlich bei awsLiteratur veröffentlicht: „Zeugnis eines Außenseiters“ von Klaus von Hollen.

Aus der Ich-Perspektive erzählt er die Geschichte von Paul. Eine Geschichte enttäuschter Hoffnungen und bitterböser Erfahrungen. Aber auch eine Geschichte der Auflehnung und Selbstbehauptung. Allen Widrigkeiten zum Trotz rettet er sich mit Sarkasmus und anderen Mitteln über die Runden.

Ich traf Klaus, um mehr zu erfahren.

Erst einmal Gratulation zu deinem Roman-Debüt. Was war dein Grundmotiv?

Ich denke oft an die Erlebnisse meiner Kindheit und Jugend zurück. Dadurch entstand die Idee, sie in Form einer Geschichte niederzuschreiben. Dass daraus ein Roman werden würde, hätte ich anfangs nicht geglaubt.

Fiel es dir leicht, die Charaktere deiner Figuren zu entwerfen, ihnen ein Gesicht zu geben, eine Stimme, eine Biografie?

Paul enthält natürlich viele Facetten meiner Persönlichkeit. Ich lasse ihn Episoden erleben, die mir im wahren Leben widerfahren sind. Das Verhältnis von Paul zu seinem Vater ähnelt  der realen Beziehung zu meinem Vater, die eher korrekt als herzlich war. Natürlich war mein Vater kein charakterloser Mistkerl wie Rudolf Lohmann. Die Person Jackie spiegelt meine damalige Sehnsucht nach einer Vertrauensperson, mit  der man über alles reden kann, wider. Die restlichen Personen sind frei erfunden.

Dein Protagonist Paul ist eine vielschichtige Persönlichkeit. Welche Facette wolltest du besonders betonen?

Ich habe mir da keine Schwerpunkte gesetzt.

Die Frustration und den aufgestauten Groll von Paul bringst du mit einer Sprache zum Ausdruck, die deiner Figur viel Authentizität verleiht, für Leser*innen allerdings nicht leicht zu verdauen sein dürfte. Glaubst du, sie verstehen dieses Stilmittel?

Warum sollten die Leser*innen das nicht verstehen? Ich schreibe nicht gekünstelt, sondern so wie mir der Schnabel gewachsen ist und Pauls frustrierende Erlebnisse sind alles andere als einzigartig.

Dass Verbitterung ein Rachemotiv ist und ein Gewaltpotential bei Paul spürbar ist, macht den Roman spannend. Doch du führst die Leser*innen ein wenig an der Nase herum. Oder irre ich mich? Jedenfalls ging es mir so, dass es mehrmals anders kam als gedacht.

Ich finde es gut, wenn ein Buch viele überraschende Wendungen hat. Nichts ist langweiliger als Vorhersehbarkeit oder ein Happy End.

Belassen wir es erst einmal dabei. Die Leser*innen können sich selbst ein Bild von dem Außenseiter machen.

Ich würde gerne noch ein paar allgemeine Fragen stellen. Zum Beispiel, ob du in das berüchtigte Loch gefallen bist, nachdem der Roman in Druck gegangen ist? Viele Autoren berichten, dass sie sich nach Beendigung eines Projektes erst einmal leer fühlten, als würden sie nie wieder etwas zu Papier bringen. Oder arbeitest du bereits an einem neuen Buch?

Ich habe keine konkreten Pläne für ein neues Buch und schreibe zurzeit so gut wie gar nicht. Wenn es irgendwann wieder losgeht, werde ich mich der Überarbeitung älterer Texte widmen.

Welche Themen interessieren dich, welches Genre bevorzugst du?

Ich habe in der Hinsicht keine Schwerpunkte. Mir gefallen schräge Geschichten mit schwarzem und anarchischem Humor.

Hast du eine Schreibroutine oder wartest du auf den richtigen Moment und legst dann los?

Es wäre vielleicht hilfreich, die Schreiberei in einen festen zeitlichen Rhythmus zu bringen. Viele Autoren berichten ja, dass ihnen nur auf diese Weise die Ideen kommen. Mir fällt es sehr schwer, mich ohne Plan vor einen weißen Bildschirm zu setzen. Das liegt wahrscheinlich an meiner Ungeduld und meiner niedrigen Frustrationstoleranz.

Gibt es jemanden, dem du deine Texte zeigst, bevor sie fertig sind bzw. holst du andere Meinungen ein? Oder verlässt du dich lieber auf dein eigenes Urteil?

Ich trage meine Werke hin und wieder den Mitgliedern der Schreibwerkstatt in Hamburg-Heimfeld vor, setze Änderungsvorschläge aber nur um, wenn mein Bauch „ja“ dazu sagt.

Gibt es einen Tipp, den du anderen Autoren geben kannst, wenn sie in einer Geschichte feststecken?

Man kann seine Schwierigkeiten mit anderen Autoren diskutieren. Ansonsten habe ich keine Idee, wie man Knoten im Kopf auflösen könnte. Andenfalls würde ich wesentlich mehr schreiben.

Lieber Klaus, Danke, dass du uns Rede und Antwort gestanden hast. Viel Erfolg mit dem Verkauf deines Buches und Freude am Schreiben weiterer Werke!

 

  • Zeugnis eines Außenseiters, Klaus von Hollen,
    1. Auflage, 236 Seiten, ISBN 978-3-947051-01-4, Preis: 9,- EUR
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