awsLiteratur

der Verlag von Alles wird schön e.V.

Autor: Sonja Alphonso (Seite 1 von 3)

Veranstaltungshinweis

Autorin Sonja Alphonso wirft einen Blick ins Grüne.

Am 18. August stellt sie sich den Besuchern der Veranstaltung „Sommer im Park“ auf der Freilichtbühne im Harburger Stadtpark als Kolumnistin der Initiative Suedkultur und Denkerin Philo Sophie Selbst-Zweifel vor.

Ob die personifizierte Ambivalenz mit einer gut sichtbaren Tarnkappe auftreten wird, wird man ca. 15.15 Uhr sehen bzw. hören können.

http://sommer-im-park-harburg.de/

Neujahrsneuigkeit

Das Neue Jahr ist noch keinen Tag alt, da kommt schon die erste Werbung ins Haus. Ob man das mag, ist Ansichtssache, wie so vieles andere auch.

Was mag ich mir dabei gedacht haben?

Wer das wissen möchte, sollte diesen Werbeblog nicht wegklicken, sondern lesen. Denn Antworten auf diese Frage finden sich im Sammelband Ansichtssache mit Kolumnen meines Alter Egos Philo Sophie Selbst-Zweifel.

Falls sich jemand wundert, warum ich das Gedankengut meiner selbsternannten Kolumnistin nicht nur online veröffentliche, sondern dazu aufrufe, Geld für ein Buch auszugeben, an dessen Inhalt man auch gratis herankommt, für den habe ich immerhin zwei Argumente auf Lager:

Erstens denke ich dabei an Leute wie mich, die Printmedien bevorzugen, statt den lieben, langen Tag auf Bildschirme zu starren; Denn letzteres macht möglicherweise blind und blöd: Es trocknet die Augen aus und das Blaulicht sorgt im Gehirn für Unruhe.

Zweitens hält der Sammelband ein Extra bereit: selbstgemachte, symbolische Bebilderung zur Veranschaulichung.

Wer insgeheim seit seiner Kindheit davon träumt, endlich wieder einmal in einem Bilderbuch zu lesen, dies aber nie zu sagen wagte, der möge mir/uns schreiben. Auf Wunsch kann ich sogar vorbeikommen und vorlesen. Das wird dann den Umständen entsprechend teurer.

Ich hoffe, die Leser verstehen Spaß – sonst ist dieses Buch vielleicht gar nichts für die- oder denjenigen und man kann sich den Kauf schenken. Es ist Geschmackssache, wie ich meine Nachdenklichkeit mit einer Prise Humor würze, um dem Ernst der Lage die Suppe zu versalzen. Aber ich hoffe natürlich, man möge mich mögen, Zweifel inklusive.

Ernstzunehmende komische Käuze

Unser Engagement in diesem Verlag gründet auf dem Wunsch, unabhängig und selbstwirksam etwas zu verwirklichen, wofür wir ein Faible haben.

An dieser Stelle spreche ich für mich: Ich habe mich der Vielfalt und dem Austausch verschrieben. Bei der Auseinandersetzung mit Texten und anderen Menschen erfahre ich oft viel Interessantes, auch über mich selbst. Früher habe ich „nur“ viel gelesen, später selbst geschrieben. Beides ist für mich zum A und O geworden. Lesen und Schreiben bildet und ist die Herausforderung wert.

Die Suche nach Antworten auf die Frage, was mir gefällt und was nicht, konfrontiert mich bisweilen mit eigener Engstirnigkeit. Je weniger ich meine Erfahrungen und meinen persönlichen Geschmack zum Maß aller Dinge mache, desto eher öffnet sich ein Raum für besseres Verständnis Andersdenkender und -fühlender.

Das kann meine Toleranzgrenze verrücken und meinen Horizont erweitern. Das einzige, was ich hierfür brauche, ist eine gewisse Aufgeschlossenheit und Neugierde. Die will ich möglichst bei jeder Begegnung mitbringen, denn nur so kann ich dazulernen.

In diesem Sinne sehe ich den nächsten Gesprächen mit Autoren und Autorinnen, deren Lesungen und Veröffentlichungen voller Vorfreude entgegen.

SuedKultur-Tipp mit Tiefgang

Dienstag, 9. April 2018 um 20 Uhr im Pub Old Dubliner.

Die Individualität von Abgründen

Obwohl sie nichts wussten X

Dr. No Go saß missmutig vor seinem Monitor und wertete die bisherigen Ergebnisse des Testlaufs von VR I aus. Er befürchtete, dem marktführenden Spielehersteller AMACONDA wären sie nicht spektakulär genug.

Seine Probanden trauten sich nur zögerlich, von ihren Möglichkeiten Gebrauch zu machen. Er schüttelte den Kopf.

VR I hatte das Potential, Sterne vom Himmel holen zu können, um damit zu jonglieren. Es war nicht zu vergleichen mit herkömmlichen Spielen, bei denen man Avatare, Waffen und Werkzeuge auswählen konnte, um damit weiter zu kommen.

Bei VR I erschuf man die Realität selbst. Man saß auch nicht mehr vor einer Konsole, sondern war mittendrin im Geschehen. Der virtuelle Raum war mit den Gehirnen der Spieler vernetzt. Man sah, hörte, schmeckte und fühlte wie die Figur, die man steuerte. Und die Spieler hatten die Macht, auf dem Holodeck alles real werden zu lassen, was sie selber ersannen. In Echtzeit!

Frau Dr. Nirwana klopfte an die Tür und lugte um die Ecke, als sie keine Antwort bekam. Sie runzelte die Stirn, als sie die zusammengesunkene Gestalt des Wissenschaftlers hinter den Monitoren erblickte. Der ohnehin kleine Asiate schien geschrumpft zu sein.

„Ich sah noch Licht bei Ihnen. So spät noch bei der Arbeit?“

Dr. No Go hob die Schultern und ließ sie kraftlos wieder fallen, als wären sie viel zu schwer für ihn.

„Darf ich?“ Sie kam um den Schreibtisch herum, trat hinter ihn und warf einen Blick auf die Tabellen und farbigen Verlaufskurven. „Vielversprechend. Respekt!“

Dr. No Go drehte sich zu ihr um und die Ungläubigkeit stand ihm ins Gesicht geschrieben. Sie beugte sich vor und deutete auf die Doppel-Delta-Matrix. „Das sind doch erstaunliche Resultate für den Anfang!“

Mit müden Augen folgte er ihrem Finger und der ansteigenden Kurve.

„Ich verstehe das nicht. Die Spieler könnten alles tun! Und was machen sie? Treffen sich auf einer norddeutschen Insel und stolpern mehr oder weniger planlos durchs Watt!“

„Unfug! Erstens: Was haben Sie erwartet? Dass ihre Testpersonen gleich mit Lichtgeschwindigkeit „Per Anhalter durch die Galaxis“ spielen?“

Sie legte ihre Hände auf die Schultern des kleinen Mannes mit überdimensionalen Visionen. Er war ohne Frage eine Koryphäe auf dem Gebiet der Erforschung und Entwicklung kokreativer Intelligenz (KKI), aber er schien manchmal keinen blassen Schimmer von der normalen, menschlichen Psyche zu haben.

„Zweitens: Die Probanden müssen sich erst an das erweiterte neuronale Netzwerk gewöhnen. Es ist vollkommen naheliegend, dass sie sich zunächst auf gewohnten Nervenbahnen bewegen und vertrautes Terrain bevorzugen.

Drittens: Je mehr Erfahrungen sie sammeln, desto neugieriger und mutiger werden sie. Nach und nach werden sie ihre neuen Fähigkeiten ausbauen und zu gebrauchen wissen.“

Sie deutete auf die exponentiell ansteigende Kurve.

„Außerdem gebe ich zu bedenken, dass es die Akteure mit der Fantasie der Mitspieler zu tun bekommen. Es ist eine enorme Herausforderung für das menschliche Gehirn, neue Eindrücke zu verarbeiten und sich untereinander zu synchronisieren. Sie wollen doch gewiss nicht riskieren, dass hier jemandem die Sicherungen durchbrennen.“

Sie spürte, wie sich Dr. No Go unter ihrem leichten Händedruck ein wenig entspannte.

Er drehte sich zu ihr um. Sie sah zwar eigentlich nichtssagend aus, aber dafür hatte sie ein ganz hübsches Mundwerk, umspielt von einem Lächeln, das ihn an ein Gemälde erinnerte.

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