awsLiteratur

der Verlag von Alles wird schön e.V.

Monat: Februar 2018

Obwohl sie nichts wussten XIII

Niemals könnte ich mir ein solches Wesen ausdenken“, sagte Katharina mit mühsam vorgespielter Gelassenheit. Sie hatte Mühe, ihren Würgereiz unter Kontrolle zu halten, denn das neu erschienene Wesen war für ihren Geschmack doch etwas zu bizarr.

Dieses … Wesen wirkte wie die Karikatur jedes Aliens, das von armen, verwirrten Verschwörungstheoretikern jemals auf der Erde erblickt worden war.

Es hätte direkt aus einem Film über Roswell, UFOs oder Entführungen durch Außerirdische stammen können.

Das Alien war so strahlend weiß wie ein fabrikneues Bettlaken und so dünn wie ein Zweig. Auf einem geknickten Hals balancierte es einen überdimensionierten Kopf, aus dem riesige Froschaugen ohne Iris oder Pupille die drei im Nichts schwebenden Menschen beäugten.

Zwei sich in unterschiedliche Richtungen bewegliche Lider schlossen und öffneten sich wieder, als das Wesen seinen Blick zwischen ihnen wandern ließ.

Die Hautlappen über den beiden winzigen, kreisrunden Löchern in der Mitte des Kopfes flatterten bei dem Vorgang, den ein Mensch wohl mit „Atmen“ assoziiert hätte.

Ein fleischiger Schlitz war dort, wo man sonst einen Mund erwartet hätte.

Katharina erinnerte dieser Schlitz an einen ausgeweideten Fisch, dessen Bauch mit einem scharfen Messer geöffnet worden war, um die Gedärme zu entfernen.

Sie schluckte und schloss die Augen, aber als sie sie nach einer Weile wieder öffnete, war das Wesen immer noch da.

Und jetzt wiederholte es seine Worte in einem angenehmen Bariton: „Seid gegrüßt, Wesen dieses kleinen Steinplaneten, ich komme in Frieden!“

Es legte den Kopf schräg wie ein Hund, der irgendeine Reaktion von seinem Herrchen erwartete und fügte hinzu: „Wie ich eben schon einmal gesagt habe.“

Hajo starrte das Alien an und murmelte: „Nu is aber gut, min Jung. Egal, wer von Euch Halbstarken sich dat hier ausjedacht hat, ich will jetz nach Hause. Ich will nicht mehr spielen.“

Hat einer von Euch beiden dieses Alien erschaffen?“ fragte Jan, der Rektalier, der lieber Gasi genannt werden wollte, mit einem seltsamen Unterton in der Stimme.

Hajo sah Jan nur irritiert an, aber Katharina sagte genervt: „Dieses wandelnde Klischee von einem Alien? Wie ich eben schon einmal erwähnt habe, ich habe mir dieses … Ding … nicht ausgedacht. Oder erfunden. Oder erschaffen, … oder wie Ihr das hier nennt. Wir sind doch nicht in Akte X hier, oder?“

Als niemand antwortete, fragte Katharina erneut und diesmal drängender: „ … oder?

Sie sah zwischen den beiden im Nichts schwebenden Menschen (oder besser gesagt zwischen dem einen Menschen und dem als Jan/Mensch getarnten Rektalier) hin und her und verlor immer mehr den Glauben an die geistige Unversehrtheit ihrer Mitstreiter.

Hajo sah aus, als wäre sein Verstand nun an dem Punkt angelangt, an dem er die Tatsache akzeptierte, dass er mit Alice hinunter in den Kaninchenbau geklettert war, um gleich der Herzkönigin zu begegnen. Er wirkte wie ein Hippie auf LSD, der gerade bemerkt hatte, dass man Geräusche sehen konnte, wenn man nur genug von diesen bunten Pillen schluckte.

Er war definitiv keine Hilfe.

Jan/Gasi allerdings sah aus wie jemand, der gerade von Professor Moriarty, Diabolo, Sauron, Darth Vader und seinem grimmigsten Erzfeind gleichzeitig beim Klauen des EINEN RINGES erwischt worden war.

Und nun kreisten sie ihn langsam ein und wetzten ihre Messer.

Er starrte das Alien, trotz seiner Versicherung, es käme in Frieden, an wie ein Kaninchen die Schlange und versuchte offensichtlich, so unauffällig wie möglich vor sich hin zu schweben.

Da um sie herum sich aber nichts (aber auch so gar nichts) anderes außer Schwärze und Dunkelheit befand, gelang ihm das natürlich nicht sonderlich gut.

Mit einem ängstlichen Unterton in der Stimme flüsterte Jan/Gasi: „Ach Du Scheiße. Was wollen DIE denn hier?“

28. Februar 2018 – Lesung für einen guten Zweck

Drei Autoren, so unterschiedlich wie es kaum anders geht, lesen am Mittwoch, den 28. Februar 2018, 20 bis 22 Uhr, aus ihren aktuellsten Büchern. Und das besondere daran, sie lesen für den Guten Zweck. Zu hören sind sie bei dem Verein „DIE MISSION. Künstlerische Maßnahmen gegen die Kälte e.V.“, Neustädter Straße 31b; 20355 Hamburg.

Maria Da Silva Ataide Estevao liest aus ihrem Roman-Erstling „Nina-Das lebende Chaos“. Ein starkes Buch um die obadachlose Punkerin Nina, die sich nach einer Vergewaltigung tapfer ins Leben zurückkämpft. Eine Geschichte mit vielen autobiographischen Zügen.

Jan Christoph Nerger liest aus seinem bunten Hamburg-Roman „Club der Sturmvögel“ um den 40jährigen Popstar Alex, der sich mit alten Freunden auf Hamburgs Straßen und Gewässern neu zu finden versucht.

Alexandra Krebs liest aus ihrem neusten Hamburgkrimi „Semper occultus-Bin ich schuldig?“. Hamburger Hafengeburtstag, für Martin Phillips immer eine besondere Schicht. Was dieses Mal auf ihn zukommt, ist auch für ihn seltsam. Ein junger Mann gesteht den Mord an seiner Mutter. Aber einiges passt nicht zusammen und die Ermittlungen werfen immer wieder Fragen auf.
Das Besondere an dem Buch ist, dass es aus zwei Ich-Perspektiven geschrieben wurde. Wir begleiten nicht nur den Ermittler, sondern auch den vermeintlichen Mörder.

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