„Mir reicht es jetzt“, rief Katharina dem Rektalier zu: „Jetzt hör mal, Jan…“

„Gasi bitte …“

Katharina schüttelte sich:“Ich denke nicht daran! Für mich bist und bleibst du Jan! Mir egal, was für eine Kreatur du bist, ich akzeptiere das nicht! Ich habe die Schnauze voll, kapiert? Ich will  mich nicht länger verstecken. Ich geh an die Öffentlichkeit!“

„Aber das hätte verheerende Folgen …“

„Die Prile“, bemerkte Hajo zaghaft.

Aber Katharina blieb vollauf mit Jan beschäftigt.  „Ich habe keine Lust mehr, mich mit irgendwelchen Aliens rumzuschlagen! Ich kann nicht mehr!“

„A-aber es ist…“, stammelte Jan, bzw. der Rektalier: „Es ist doch…“

„Was?“

„…nur ein Spiel!“

Katharinas Stirn legte sich noch mehr in Falten als ohnehin schon.“Wie bitte? Willst du mich verarschen?“

„Nee.“

„Jan, wenn du mir jetzt nicht klipp und klar sagst, was hier abgeht …“

„Gasi, bitte…“

„Jan, habe ich gesagt! Klar? Jan, Jan, Jan, Jan, Jan!“

Da fiel diese seltsame Gestalt klatschend und schmatzend in sich zusammen. Dampfend bildete sich scheinbar der überdimensionale Haufen eines mutierten Wattwurms. Dann begannen sich menschliche Hände aus diesem auszugraben. Vor Katharina und Hajo erhob sich zitternd ein nasser, verdreckter Jan. Verzweifelt sah er die beiden an.

„Bist du denn komplett verrückt“, brüllte Hajo, aus seiner Erstarrung erwacht. „Du hast uns mitten ins Watt gescheucht? Eines Spieles wegen? Min Jung, ist dir klar, das wir hier nicht mehr lebend raus kommen?“

Die drei sahen herab. Sie standen knietief im dunkelbraunen Wasser.

„Das macht gar nichts“, versicherte Jan hektisch: „Wir müssen nur fest daran glauben, dass es diesen Zugang gibt.“

Doch der Zugang war verschwunden.

„Weg, weil wir nicht mehr dran glauben?“ Katharina schüttelte den Kopf. „Aus demselben Grund hast du dich zurückverwandelt, stimmt’s? Wie konntest du nur auf so eine hirnverbrannte Idee kommen?“

„Es war nicht meine.“

„Sondern?“

„Ingos.“

Katharina schluckte. Ausgerechnet Ingo? Waren denn alle Männer komplett bescheuerte Spielkinder? Nun standen sie hier und das Wasser stieg und stieg. In einer leichten Welle klatschte es ihr erstmals zwischen den Beinen an den Schritt. Sie erschrak. Gleich würden sie alle hüfthoch von der Nordsee umspült werden…

*

Das Raumschiff – eine etwa fünfzig Meter breite Kugel, um die sich ein nur durch Energiefelder verbundener leuchtender Ring drehte – glitt unaufhaltsam durchs All. Die fremden, weißen Kreaturen im Innneren waren spindeldürre, zweieinhalb Meter hohe Zweibeiner mit kürbisförmigen Köpfen, tennisballgroßen Glubschaugen – zwei winzigen Löchern anstelle einer ausgeformten Nase – und einem kleinen, lippenlosen Mund. Sie standen vor den Konsolen um einen rund zwei Meter breiten, Kugelbildschirm. Andächtig bestaunte die außerirdische Besatzung die aufgefangenen Funkwellen, vor allem Fernsehbilder und Radiomusik. Endlich hatten sie eine fremde Zivilisation gefunden! Und mehr noch: Eine Reihe weiterer Zivilisationen schien sich bereits in der Nähe des Planeten aufzuhalten. Sie besuchten ihn sogar schon. Und dabei bedienten sie sich offenkundig einer hochentwickelten Tarntechnik, denn mal fingen sie eine ganze Flotte von Raumschiffen auf, dann wieder gar nichts. Tatsächlich schienen die Bewohner dieses Planeten momentan wieder ganz unter sich zu sein. Die Aliens sahen einander an und nickten. Das versprach doch mal spannend zu werden …